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Monatsarchiv: Juni 2012

Tag 115

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Tag 115

Samstag 16.6.2012, 7.50 Uhr: Hannah und ich sitzen auf der Ladefläche eines Jeeps, wir sind auf dem Weg ins children’s village von Kumasi. Ich mit der Einstellung „endlich wieder kleine Kinder zum spielen“, Hannah „joa, schau ich mir schon mal an und dann fahren wir wieder“. Wie es dazu gekommen ist, dass wir uns eine Stunde später schwitzend, mit nem blutenden Zeh und nem Kackeeimer neben uns auf ner Farm im nirgendwo befinden, werdet ihr gleich erfahren..

Aber jetzt erstmal von Anfang an, der letzte Eintrag ist schon wieder länger her, aber ich versuche das die nächsten Monate zu ändern!

Also was ist die letzten Wochen so passiert, die Arbeit hat wieder richtig angefangen und mit richtig meine ich, dass Matthias und ich eher die Deppen für alles sind. Aber ok, macht man ja gerne wenn die Kinder glücklich sind! Die Lehrer verlassen sich darauf dass ich jeden Tag im Kindergarten stehe und so kommt es dazu, dass wir anstatt zu siebt nur zu dritt sind, und das für 100 Kinder mit Essen kochen und verteilen. Dass die Stimmung zwischen den Lehrerinnen deswegen zur Zeit etwas schlecht ist, ist zwar verständlich aber ich hoffe, dass sich das schnell wieder ändert! Auch Entschuldigungen wie „ich habe einen Pickel hinter dem Ohr und der tut mir beim sprechen weh, deswegen musst du heute Unterrichten!“ gab es letzte Woche. Aber gut, man nimmts mit Humor und versucht sich mit seinem kakra kakra (small small) Twi bei den Kindern Respekt zu verschaffen. Hört sich jetzt vielleicht aber schlimmer an als es ist, ich bin immernoch sehr glücklich mit der Arbeit und vor allem den Kindern, ich hätte es glaube ich nicht besser treffen können! (Kompliment an den Deutsch Ghanaischen Freundschaftskreis, im Vergleich zu anderen Kindergärten können sich hier alle wirklich glücklich schätzen!)

Fließend Wasser haben wir auch endlich, jetzt müssen wir den Kleinen nur noch zeigen wie man so ein Klo benutzt…

Nächstes Wochenende heiratet Madame Esther und natürlich sind wir „invited“, Fotos kommen also im nächsten Artikel in unseren ghanaischen Kleidern!

Unterrichten in der Schule macht auf der einen Seite wirklich Spaß, ist aber auch sehr anstrengend. Aber ich glaube sie haben dazugelernt, morgen schreiben wir erstmal nen Test weil sie die letzten 2 Stunden nicht ernst genommen haben! Die letzten 5-10 Minuten dürfen die Schüler immer bestimmen was wir machen, letztens wollten sie die Übersetzung von „I love you“ und „Kiss me“. Ein paar Tage später bekommt also Matthias eine sehr liebe sms von einer meiner Schülerinnen, ich frage mich was sie geschrieben hätte wenn ich ALLES übersetzt hätte was sie wissen wollte…

Ausflüge mit Kindern haben wir auch schon gemacht, erst mit Barbara (du fehlst hier übrigens sehr) und 2 kleinen Jungs aus ihrem Projekt an den See und Sonntag mit Jessica aus meinem Kindergarten in den Zirkus! Und es freut einen natürlich sehr sie so glücklich zu sehen, liegt aber vielleicht auch an den ganzen Keksen, Schokolade und Eis mit denen wir sie immer vollgestopft haben, man kann aber auch nicht nein sagen! Gestern Nachmittag stand dafür die kleine Jessica wieder vor meiner Tür mit einer Nachricht von ihrer Mama, dass sie sie am Abend wieder abholt also werde ich jetzt wohl auch noch zum Babysitter!

Eine letzte Sache noch dann kommt endlich die Kackegeschichte, Verständigungsprobleme sind hier auch nicht selten, das liegt aber eher am ghanaischen Englisch! „If you are angry we have chicken on the menu“, allgemeine Verwirrung, wieso sollte ich ein Hühnchen essen wenn ich wütend bin? Kurz darauf stellt sich heraus er meint hungry.

 Jetzt sind wir schon fast beim Schluss, letzten Samstag morgen sind wir also auf dem Weg ins childrens village mit der ghanaischen Organisation von LosZuGhana, vielleicht hätten wir uns doch davor informieren sollen, was uns erwartet. Nach 1 Stunde fahrt auf der Ladefläche ist mein weisser Rock braun vom Staub und mir fällt ein, dass ich vergessen habe mich einzucremen. Aber egal, wir spielen ja gleich. Endlich angekommen sind aber weit und breit keine Kinder zu sehen, dafür Hühner, Schafe, Katzen, Hasen, Fischteiche, unfertige Häuser und viele viele Pflanzen. Kurz darauf erfahren wir, dass hier nächstes Jahr ein Waisenhaus eröffnen soll und durch die Hilfe von Volunteers und einigen Arbeitern die Arbeit erledigt wird, währenddessen streckt er uns Säcke mit Hühnerkacke hin. Da wir anscheinend doch etwas verwirrt aussehen erklären sie uns zum glück noch was uns erwartet, wir sollen die Hühnerkacke als Dünger benutzen und unter jedes Pflänzchen eine Hand voll werfen. Ich erspare euch das Bild, wie wir nach 5 Stunden Hühnerkacke verteilen aussahen, nachdem es mich auch noch über nen Stock gehauen hat und mit Blätter auf den Fuß gedrückt wurden, damit es aufhört zu bluten.

Trotzdem muss ich sagen dass es wirklich ein sehr tolles Projekt ist und ich auf jeden Fall wiederkommen möchte, wenn es fertig ist! Das childrens village ist nicht wie ein tyisches Waisenhaus aufgebaut ist, sondern die Kinder sollen zu dritt mit einer „Erstzmama“ in den Häusern leben und die Schule im nächsten Dorf besuchen. Wenn also genug Spenden gesammelt wurden, können die ersten Kinder im Juni 2013 einziehen.

Tag 115 in Ghana ist auch schon fast vorbei, Matthias und ich haben heute versucht mein lieblings ghanaisches Essen nachzukochen, beans mit gari und palm oil. Das Ergebnis war ok, wir brauchen aber noch ein bisschen Übung 🙂

Liebe Grüße, ihr fehlt mir

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