RSS-Feed

Childrens Home Kumasi

Veröffentlicht am

Lange ists her, dass ich mich gemeldet habe. Seit einem Monat arbeite ich jetzt schon im Waisenhaus und ich bin wahnsinnig glücklich darüber, wieder in Ghana zu sein!

Die Zeit in Deutschland war unbeschreiblich, endlich wieder Familie und Freunde um einen haben und genau das fehlt mir hier schon.

Die Arbeit im Childrens Home Kumasi ist jeden Tag eine neue Herausforderung. Das Waisenhaus besteht aus 3 grossen Häusern, 2 Für die Jungs und ein Mädchenhaus. Generell sind mehr Jungs im Waisenhaus, mehr Mädchen werden adoptiert und mehr Jungs abgegeben. Zur Zeit leben um die 100 Kinder im Children’s Home. In meinem letzten Monat sind 2 neue dazu gekommen, Samira, 9 Jahre alt und ein kleines Baby, 6 Wochen alt. Name und Herkunft weiss keiner. Ausserdem gibt es 2 weitere Hauser für die „Mamas“ und deren eigene Familien. Auf dem Gelände wurde vor ein Paar Jahren ein Kindergarten gebaut, sehr klein und baufällig von aussen, wenn man die Klassenzimmer von innen sieht bin ich aber begeistert!  Die kleinste Kindergartengruppe (3-4 Jahre) besteht aus ungefähr 10 Kindern und der ganze Raum besteht aus Spiel und Lernsachen. Die Kinder lernen von Anfang an Englisch, Twi wird nur sehr selten gesprochen. Jede andere Klasse hat zwischen 10 und 20 Kindern, und die KG 2 Kinder können fast perfekt Englisch lesen, verstehen und schreiben (und das mit 7 Jahren) . Hauptsächlich sind nur Waisenkinder in der Schule, jedoch wurde vor nicht allzu langer Zeit aus dem Umkreis die ärmsten Familien ausgesucht, deren Kinder davor wegen Geldmangel nicht in die Schule gehen konnten! Diesen Familien wurde angeboten, ihre Kinder für einen Unkostenbeitrag von 30 Cedi für Essen (nicht mal 15 Euro) im Monat, in die Schule zu schicken! Die Lehrer sind engagiert und lieb zu allen Kindern, es wird niemand geschlagen (Leider muss ich mich verbessern, heute habe ich zum ersten mal einen kleinen 8 jährigen Jungen gesehen, der sich vor eine Säule stellen musste und vor allen Schülern mit dem Stock verprügelt wurde. Anscheinend hat er eine Schlägerei angefangen). Jeden Mittwoch haben die Kinder in der früh in der Schule Kirche und manchmal fällt der Vormittagsunterricht aus. Alle Lehrer gehen dann mit den Kindern auf den Spielplatz mit Rutschen, Klettergerüst und Schaukeln oder auf dem Fussballfeld wird für das nächste Spiel gegen eine andere Schule vorbereitet! Spiele wie Sackhüpfen, Eierlauf und Belohnungen mit Obst und Keksen werden hier auch von den Lehrern unterstützt!

Mein Tag beginnt immer zwischen 7.30 und 8.00 Uhr an, die Kinder werden gewickelt, angezogen und zur Schule gebracht, die Babys werden gefüttert . Dabei gibt es aber oft ein Paar Missverständnisse , wer wann gefüttert oder gewaschen wird, weshalb wir öfters mal untätig rumlaufen. Dann Unterrichte ich Englisch, für die Größten im Kindergarten, klappt sehr gut und bald geht’s als Belohnung an den Pool! Anschliessend nehmen wir die vielen Behinderten Kinder in das unvollständige Haus, setzen uns um den Tisch und malen, spielen, reden oder Essen Kekse! Die Babys werden auch immer mit rausgenommen, oft habe ich das Gefühl, wenn wir Volunteers nicht da wären, würden vor allem die Babys und special Kids nie aus dem Haus kommen. Die meisten „Mütter“ kümmern sich eher um ihre eigenen Kinder oder liegen auf den Betten. Nachmittags wurde ich auch schon öfters angemotzt, dass ich die Babys zu viel rumtrage und wenn ich sie absetze zum schlafen und nach Hause gehen, sie anfangen zu weinen. Heute hat sogar die älteste „Mama“ eingesehen, dass mein Lieblingsbaby Ali mich lieber hat als sie. Das sollte für die eigentlich mal ein Zeichen sein, sich mehr um die kleinen zu kümmern.

Auch die Hygiene ist ein Punkt, der mich manchmal sehr stört. So gerne wir alle mit den Behinderten Kindern rausgehen zum spielen, wenn sie nicht gewaschen werden, nur dreckige Klamotten tragen, oder ihnen die Hosen runterrutschen (Unterhosen trägt hier keiner…) fällt es uns manchmal sehr schwer, sie bei der Hand zu nehmen und ihnen beim laufen zu Helfen. Generell wird sich um die Behinderten überhaupt nicht gekümmert, sie gehen nicht zur Schule, Spielsachen oder sonstige Unterhaltungsmöglichkeiten gibt es im Waisenhaus leider nicht (ausser einen Fernseher, vor dem meistens die Mütter sitzen). Und alle Möglichen kleinen Spenden und Geschenke wie Spielsachen oder Kuscheltiere verschwinden seltsamerweise am ersten Tag, wobei ich denke dass die Mütter das für ihre eigenen Kinder einstecken. Letztes mal hatte ein kleiner Junge mit Epilepsie einen Anfall, als wir draussen mit ihm spielen waren, wir konnten um Hilfe rufen so viel wir wollten, keiner ist gekommen. Für eine Woche hat er hauptsächlich geschlafen, nicht gesprochen und war sehr anhänglich. Medikamente bekommt er, jedoch nur ein mal am Tag in der früh und ob es die richtigen sind, weiss keiner so genau. Dann gibt es noch Paul, der einen grossen Tumor im Gesicht hat der leider inoperabel ist. Was er genau hat, weiss auch keiner, egal wen man fragt. Vielleicht interessiert es sie auch nicht! Trotzdem ist er immer fröhlich und gut gelaunt (wenn er nicht gerade nen schlechten Tag hat und mit Steinen um sich schmeisst) und versucht sich immer in den Mittelpunkt zu drängen 🙂 Welche Krankheiten die anderen Kinder in meinem Haus haben, kann ich leider nicht sagen aber eins ist klar, dass hier noch viele Sachen benoetigt werden. 2 eigentlich schon Erwachsene robben immer auf dem Boden herum und brauchen dringen einen Rollstuhl, Kleidung und vor allem Hosen und Leggins, die nicht mehr rutschen oder Kaputt sind, damit sie sich wenigstens frei bewegen können. Spiele, Gymnastikbälle oder einfach nur Luftballons verändern hier einiges! Das Problem mit den Spenden ist aber, dass hier zwar täglich Spenden ankommen, ich aber nicht weiss, wer sie dann an wen verteilt.

Allgemein muss ich aber sagen, dass sich vor allem die Kindergartenlehrer rührend um die Kinder kümmern, leider haben die nicht viel mit dem Waisenhaus zu tun. Und trotzdem ist in meinem Haus eine sehr nette „Mama“ die sich auch dafür interessiert, was wir mit den Kindern machen.In den anderen Häusern muss ich leider sagen, dass die „Mütter“ so schrecklich sind, dass wir meistens vermeiden sie anzutreffen, entweder die Kinder mit rausnehmen zum spielen oder sie in der Schule unterrichten.

Zum Schluss noch was zum Nachdenken für euch alle. Da wie ihr alle wisst bald Weihnachten vor der Tür steht, planen ein Paar Freunde und ich einen kleinen Ueberraschungsbesuch im Waisenhaus. Und wie ihr euch wohl denken könnt, wird Weihnachten hier nicht so gefeiert wie zu Haue, die Kinder gehen zur Kirche und dann wieder nach Hause. Dieses Wochenende werden unsere Santa Claus Kleider in Auftrag gegeben und wir wollen versuchen, den Kindern ein glückliches Weihnachten zu bescheren. Die Geschenke können unterschiedlich sein, von Luftballons, Kuscheltiere, Spiele, Radios, Bücher, Stifte über Laufräder, Rollstühle … Denkt darüber nach, so klein die Spende auch ist, wir werden was tolles für die Kinder aussuchen. Kontodaten werde ich im nächsten Bericht veröffentlichen, sobald alles sicher ist.

Damit verabschiede ich mich schon wieder, ihr fehlt mir.

Ganz ganz liebe Grüße ins kalte München, für mich geht’s bald wieder an Strand!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: